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„Hier bin ich willkommen!“

Junge Lehrer berichten: Was ist am Egbert-Gymnasium der Abtei Münsterschwarzach so anders als an einem staatlichen Gymnasium?

„Endlich irgendwo ankommen“ – das hat sich Julia Karl in den vergangenen drei Jahren immer wieder gewünscht. Nachdem sie als mobile Reserve in ganz Nordbayern unterwegs war, ist die junge Lehrerin diesem Wunsch jetzt am Egbert-Gymnasium der Abtei Münsterschwarzach (EGM) ein ganzes Stück nähergekommen. Seit September 2021 unterrichtet Julia Karl die Fächer Deutsch und Mathematik am EGM. Gleich in den ersten Wochen war sie mit einer siebten Klasse auf Klassenfahrt in Memleben in Sachsen-Anhalt. Im dortigen Museumskloster ermöglichen Benediktiner aus Münsterschwarzach einen lebendigen Einblick in das mittelalterliche Mönchtum.

„Das persönliche Erleben im alten Gemäuer und der zwanglose Kontakt zu den Mönchen haben mich ungeheuer beeindruckt“, sagt Julia Karl. Die Erfahrungen in Memleben haben sie motiviert, im Unterricht immer wieder an benediktinische Inhalte anzuknüpfen: So hat sie im Deutsch-Unterricht eine Sage besprochen, die sich um einen benediktinischen Mönch dreht, und bei der Auswahl der Lektüre geht es nicht nur um literarische Qualität, sondern auch um Toleranz und Nächstenliebe.

»Hier ist man kein „Einzelkämpfer“ sondern eine „Gemeinschaft“ «

Dass es an der Klosterschule neben den Lehrplaninhalten ein großes extracurriculares Angebot gibt, hat das EGM auch für Ramona Fuchs attraktiv gemacht. Obwohl seit ihrem Start im Februar 2020 durch Corona vieles ausgesetzt werden musste, staunt die Englisch- und Spanisch-Lehrerin über so manch kleine Standards wie das tägliche Morgengebet oder die Convocatio nach den Ferien.

Als enormen Vorteil empfindet sie es, dass das Kollegium nicht zufällig zusammengewürfelt ist, sondern sich alle Lehrkräfte bewusst für die Schule entschieden haben. „Die Atmosphäre ist freundschaftlich und der Zusammenhalt unter den Kollegen vorbildlich“, so Fuchs. Auch Julia Karl bekam das rasch zu spüren.

Statt als „Einzelkämpferin“ von vorn zu beginnen, boten ihr schon in der ersten Woche Kolleginnen und Kollegen an, den Unterricht in Parallelklassen gemeinsam zu planen. „Das schafft nicht nur Freiraum, sondern hat mir das Gefühl gegeben, willkommen zu sein“, sagt sie. All das wirkt sich nach Erfahrung der beiden Lehrerinnen auf die Zusammenarbeit mit den Schülern, aber auch den Eltern aus. „Wir sind eine Gemeinschaft, in der sich jeder einzelne wohlfühlen kann und so angenommen wird, wie er ist“, fasst es Ramona Fuchs in Worte und spricht damit auch Burkard Utz aus dem Herzen.

»Reli ist hier kein Fach nebenher, sondern gehört zum Alltag «

Für den ehemaligen EGM-Schüler war der Start als Lehrer in Münsterschwarzach vor fast zwanzig Jahren „ein bisschen wie Nach-Hause-kommen“. Kein Wunder. „Abt Burkard Utz, der die Abtei durch die Zeit des Krieges geführt hat, war der Bruder meines Großvaters“, erklärt Utz schmunzelnd die Namensgleichheit. Besonders schätzt der Mathematik- und Religionslehrer den hohen Stellenwert von Religion an der Schule: „Reli ist hier kein Fach nebenher, sondern gehört zum Alltag“, sagt er.

Spürbar wird das in den Stufen- und Abtei-Gottesdiensten, der Schulfirmung in der 10. und 11. Klasse, mit Mönchen als Klassenpaten und dem Schulseelsorger Bruder Melchior Schnaidt, der stets als Ansprechpartner bereitsteht.

Eine echte Besonderheit ist in Münsterschwarzach die „Benediktinische Unterrichtseinheit“. In zwei bis vier Unterrichtsstunden wird in einem Fach einer Jahrgangsstufe ein Lehrplaninhalt mit Hilfe der Abtei vermittelt. So haben die Schüler in Englisch einen Audio-Guide für Touristen erstellt, in Mathematik wurde die Abteikirche vermessen und in Geographie anhand der Biogas- und Hackschnitzelanlage das Thema regenerative Energiegewinnung beleuchtet.

Der stets spürbare benediktinische Geist reicht dabei weit über Faktenwissen hinaus. „Wenn wir im Religionsunterricht über ethische Themen wie Sterbehilfe oder Schwangerschaftsabbruch sprechen, spüre ich, wie wichtig den jungen Leuten eine christliche Haltung ist“, berichtet Burkard Utz. Auch Julia Karl und Ramona Fuchs sehen sich selbst nicht nur als Stoffvermittlerinnen, sondern Menschen mit Vorbild-Funktion. „Wir sind verantwortlich dafür, wie diese jungen Menschen hier rausgehen“, sagen die beiden, „und das betrifft nicht nur die Noten, sondern vor allem soziale Kompetenzen wie Höflichkeit, Respekt, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Kompromissfähigkeit und Verantwortung“.

Lebendig werden diese Werte nicht zuletzt durch den benachbarten Mönchskonvent, der gerne an der Schularbeit teilhat. „Neulich kam ein alter Mönch mit offenen Armen auf mich zu und hat mir gesagt, wie sehr er Lehrer und Schüler während des Lockdowns vermisst hat. In solchen Momenten weiß ich, dass die Mönche uns nicht als Störfaktor betrachten, sondern als Teil ihres Klosters“, sagt Ramona Fuchs. Neu-Kollegin Karl hofft deshalb, dass der Grillabend mit den Mönchen diesen Sommer stattfinden und sie selbst wieder ein Stückchen mehr in Münsterschwarzach ankommen kann.

Von Anja Legge 

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